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Liebe Leserinnen und Leser von Praxis Kommunikation,

ich kann nicht mehr! Wie oft haben Sie diesen Satz selbst schon gesagt oder gehört? Unsere aktuelle Ausgabe beschäftigt mit sich einer besonderen Form von Stress, dem sogenannten "Mental Load". Mental Load bedeutet, immer an alles denken zu müssen. Das Gedankenkarussell dreht sich nonstop. Bloß nichts vergessen, bloß alles richtig und gut machen. Am häufigsten betroffen sind übrigens berufstätige Mütter, die überall die Fäden zusammenhalten und so lange im Hamsterrad strampeln, bis sie wortwörtlich ausgebrannt sind. Wir finden: Es ist Zeit, sich die Faktoren, die zu mentaler Überlastung führen, genau anzuschauen - und den Blick darauf zu richten, was Coaching bewirken kann und welche Interventionen für Betroffene die Richtigen sind. Das tun wir in unserer aktuellen Ausgabe 3, die in den nächsten Tagen erscheint.

Ich wünsche ihnen eine gute Lektüre und neue Erkenntnisse!

Ihre

Simone Scheinert
Chefredakteurin

 

 

 

 

 
 
 

Traumberuf Coach – wenig Arbeit, viel Geld?

 
 

Markus Czerner ist Business Coach und Keynote Speaker. Er zählt laut Upspeak zu den 300 besten deutschen Mentoren für Persönlichkeitsentwicklung und gilt als meinungsstark und provozierend. Sein Game Changer? Gnadenlose Ehrlichkeit. Ab Oktober lehrt er am IST-Studieninstitut die neue Weiterbildung „Personal und Business Coach“. Im Interview spricht der 36-Jährige über den wachsenden Coaching-Markt, umstrittene Möchtegern-Coaches und darüber, ob man erst die Erleuchtung gefunden haben muss, um Menschen helfen zu können.  

 

IST: Herr Czerner, Sie sind Business Coach, Keynote Speaker und Bestseller-Autor. Das klingt nach einer erfolgreichen Karriere. Wie sind Sie dahin gekommen, wo Sie jetzt sind?

Czerner: Mit harter Arbeit, Ausdauer und Disziplin. Es ist ein Weg, wie alles im Leben. Auch wenn es sich nach einer erfolgreichen Karriere anhört, waren sehr viele Misserfolge dabei. Das sieht man natürlich auf den ersten Blick nicht. Vieles kann man auch gar nicht planen, das ergibt sich auf dem Weg zu seinen Zielen. Man muss halt da sein und die Chancen nutzen, die sich einem bieten.

Gab es einen entscheidenden Moment in Ihrem Leben, der Ihnen den Impuls gegeben hat, sich beruflich neu zu orientieren?

Czerner: Einen entscheidenden Moment nicht, aber eine entscheidende Phase. Ich habe im Sportmanagement gearbeitet und dachte, es wäre mein Traumjob. Allerdings war ich nicht glücklich. Da stellte ich fest, dass es vielleicht doch nicht das Richtige für mich ist. In dem Moment, wo mir das klar geworden ist, hatte die Neuorientierung schon angefangen und daraus ist alles das entstanden, was ich aktuell mache.

 Wie hat die Ausbildung zum Coach Ihr Leben verändert?

Czerner: Damals kurioserweise fast gar nicht. Das war für mich nur eine Formsache, um ein Zertifikat in der Hand zu haben. Allerdings liegt das auch schon mehr als zwölf Jahre zurück und damals gab es kaum Möglichkeiten, eine hochwertige Ausbildung als Coach zu machen. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Was auch daran liegt, dass es immer mehr Coaches am Markt gibt.

Tatsächlich ist das Interesse für Persönlichkeitsentwicklung und der Coachingmarkt in den letzten Jahren rasant gewachsen. Woran liegt das?

Czerner: Ich denke es liegt daran, dass wir seit einigen Jahren ein neues Bewusstsein für Persönlichkeitsentwicklung haben. Besonders die Generation Y und Generation Z fangen schon früh an, sich zu verwirklichen und kommen mit dem Thema in Berührung. Zudem haben wir durch die sozialen Netzwerke einen schnellen Zugang zu Inhalten der Persönlichkeitsentwicklung. Das regt das Interesse natürlich an.
 

Muss ich erst die Weisheit gefunden haben, bevor ich Coach werden kann?

Czerner: Nein, das mit Sicherheit nicht. Aber man sollte schon etwas vorweisen können, bevor man andere coacht. Ein bisschen Lebenserfahrung darf es dann schon sein. Mittlerweile gibt es viele Selfmade-Coaches, die meinen, anderen helfen zu können. Dabei richten sie tatsächlich mehr Schaden an, als dass sie etwas Gutes tun. Jeder, der als Coach arbeiten möchte, sollte sich fragen: Was befähigt mich dazu, andere zu coachen? Viele sind sich ihrer Verantwortung nicht bewusst.

 

Immer öfter hört man von selbsternannten Coaches, die erzählen, wie sie Multimillionär geworden sind oder ihre „Erfolgsgeheimnisse“ als Coach teilen. Halten Sie das für gefährlich?

Czerner: Das halte ich sogar für sehr gefährlich. Top-Coaches verdienen viel Geld und das lockt viele Möchtegern-Coaches an. Gemäß dem Motto: Wenig Arbeit, viel Geld – was totaler Quatsch ist. Das führt auch dazu, dass wir sehr viel Quantität und sehr wenig Qualität auf dem Markt haben. Zudem gibt es keine Eintrittsbarrieren auf dem Markt, sodass jeder als Coach arbeiten kann. Leider sind da sehr viele Blender unterwegs, die große Versprechungen machen, sie aber nicht einhalten können.

 

Apropos Quantität. Mentoring, Supervision, Beratung, Training, Coaching – man könnte meinen, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Was sind die Unterschiede?

Czerner: Am Ende verfolgen alle Ausrichtungen ähnliche Ziele. Bei einem Training steht der reine Wissenstransfer im Vordergrund. Ein Coaching ist persönlich und individuell. Hier erarbeitet der Coach gemeinsam mit dem Coachee Lösungen. Mentoring ist dann eine Begleitung von mehreren Monaten, in denen der Coach als Mentor zur Verfügung steht. Viele Begriffe sind tatsächlich auch Marketing, weil sie einfach besser klingen. Am Ende möchtest du deinen Teilnehmern helfen. Darum geht es.

 

Bleiben wir beim Coaching. Life, Systemisches, Personal und Business Coaching. Wie finde ich den für mich passenden Beruf? 

Czerner: Den richtigen Beruf zu finden, ist für einen angehenden Coach schon die falsche Einstellung. Als Coach zu arbeiten, ist eine Berufung. In welche Richtung man dann genau geht, ergibt sich mit der Zeit. Man sollte sich selbst die Zeit geben, herauszufinden, wo man sich sieht und was für einen das Richtige ist. „Learning by doing“ ist hier das Motto.

 

Nehmen wir an, ich bin auf der Suche nach einer Ausbildung zum Personal und Business Coach. Wie stelle ich sicher, dass ich nicht an Scharlatane gerate?

Czerner: Tja, das kann leider immer passieren. Im Zeitalter des Internets haben wir sehr gute Möglichkeiten zu recherchieren. Was gibt es für Kundenbewertungen? Hat der Dienstleister renommierte Auszeichnungen und Zertifizierungen? Wie lange gibt es den Dienstleister schon am Markt? Diese Fragen sollte man sich auf jeden Fall beantworten.

 

Welche Kompetenzen brauche ich als guter Personal und Business Coach?

Czerner: Neben Empathie und dem Willen anderen helfen zu wollen, auf jeden Fall fachliche Expertise und Problemlösungskompetenz. Man sollte die bewährten Coaching-Methoden kennen. Dafür ist die persönliche Weiterbildung unverzichtbar. 

 

Ist der Coaching-Hype in zehn Jahren wieder vorbei? 

Czerner: Das kann ich mir nicht vorstellen. Im Gegenteil: Ich glaube, er wird noch mehr zunehmen. Besonders die Generationen Y und Z werden mit Coachings ein Stück weit groß. Sie verspüren eben auch den Drang, sich selbst zu verwirklichen. Auch die ganzen Themen Burnout, Work-Life-Balance, etc. – das wollen viele Menschen nicht mehr. Coachings unterstützen dann, um neue Wege zu gehen. Besonders in den nächsten Jahren nach der Corona-Pandemie wird die Nachfrage erheblich steigen.

 

www.ist.de.

Das Interview führte Maria Vogel.

 
 

Neue Realität: Digitale Kompetenz im Coaching

 
 

Alles ist möglich. Und ich will es sofort! Wer will mich aufhalten? Darauf – zugespitzt – scheint sich in der neoliberalen Gesellschaft das selbstbewusste, unbezwingbare Ich auszurichten. Und das möglichst perfekt: Schulabschluss, Hochzeit, Kindererziehung, Job, Ernährung. Das überfordert Menschen. Wie kommen sie da heraus? Was muss sein, was ist zu viel? Mit welchen Strategien begegnen wir der Überforderung?

Mit Beiträgen u.a.von Ruth Maria Sarica, Daniela Blickhan, Annette Bauer, Angela Frauholz, Johannes Sauer, Axel Rachow und vielen weiteren Autor*innen.

 

Ausgabe 3/2021 ist ab dem 30. Juni im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder im Abo erhältlich.

 

 

 

 
 

Buchrezension: Reise in psychologische Abgründe

 
 

Zugegeben: Man könnte sich schon fragen, warum wir im Newsletter eines Fachmagazins für angewandte Psychologie einen Roman rezensieren, der einen Serienmörder zum Thema hat. Heinz Strunk hat die Geschichte von Fritz Honka aufgegriffen, der in den 1970er Jahren in Hamburg mehrere Frauen ermordet und die sterblichen Überreste in der Abseite seiner Dachwohnung gelagert hat, bis er schließlich erst nach Jahren durch einen Hausbrand aufgeflogen ist. Soweit, so unappetitlich. Doch was Strunks Buch noch bietet, ist ein unverstellter Blick auf ein Milieu, das man sich, wenn man fest im "normalen", bürgerlichen Leben verwurzelt ist, kaum vorstellen kann.

In den Kneipen auf St. Pauli (zu denen auch der "Goldene Handschuh" zählt, wo Honka seine Opfer fand), sind die Vorhänge immer zugezogen. Kein Tageslicht dringt hinein, das Zeitgefühl geht verloren. Hier treffen sich die Ausgestoßenen der Gesellschaft: Trinker, Prostituierte, Heimatlose. Sie tanzen und weinen zu kitschigen Schlagern, trinken und reden, lachen, klagen einander ihr Leid, prügeln sich, liegen sich in den Armen. Hier finden sie Halt und einen Raum, hier sind sie unter ihresgleichen.

Und warum nun diese Rezension? Weil es Heinz Strunk hervorragend gelingt, von der Gesellschaft vergessene Menschen einfühlsam zu zeigen, ihnen ein Gesicht zu geben. Wir befinden uns zeitlich in den 1970er Jahren und erkennen den Kriegstraumatisierten, der seine Erlebnisse nicht verarbeiten konnte und sich in den Alkohol flüchtet. Die obdachlose Prostitituierte, die einst im KZ war. Überhaupt Frauen, die Missbrauchsopfer sind. Und mit der Hauptfigur Fritz Honka einen Mann, den eine lieblose und gewaltgeprägte Kindheit, Mobbing und die entstellenden Folgen eines Verkehrsunfalls verzweifelt und unbändig wütend gemacht haben. Dem gegenüber stellt der Autor die gehobene Hamburger Gesellschaft in Form einer Reederfamilie - in der es nicht unbedingt menschlicher und weniger abgründig zugeht.

Das Buch beschönigt nichts, es zeigt alle Tristesse und alle Tiefen des menschlichen Lebens, und die Sprache ist dem angepasst - derb und rauh wie das Milieu auf dem Kiez, aber nie herablassend oder distanziert. Ja, es ist heftig und nichts für zarte Gemüter. Wer sich dennoch darauf einlassen möchte, erlebt ein vielschichtiges psychologisches Gesellschaftsporträt aus einer längst vergangenen Ära.

Simone Scheinert

 

Heinz Strunk: Der goldene Handschuh

 
 

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