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Deistler, Imke;Vogler, Angelika
Einführung in die Dissoziative Identitätsstörung
Therapeutische Begleitung von schwer traumatisierten Menschen

2. Auflage, 2005.08.24
288 Seiten, Kartoniert
Format: 17.0 x 24.0cm
ISBN: 3-87387-497-0
ISBN 13: 978-3-87387-497-8

24,90 EUR
Das Buch gibt eine Einführung in die psychotherapeutische Arbeit mit multiplen Menschen und faßt aktuelle Erkenntnisse und Behandlungsansätze zur Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) zusammen. Zunächst werden die Symptomatik der DIS und differentialdiagnostische Fragestellungen ausführlich vorgestellt. Da die Autorinnen einen engen Zusammenhang zwischen der DIS und der Posttraumatischen Belastungsstörung vermuten, gehen sie im Rahmen ätiologischer Überlegungen zur DIS ausführlich auf Modelle zur Entstehung und zum Verlauf der Posttraumatischen Belastungsstörung ein. Dabei greifen die Autorinnen insbesondere auf tiefenpsychologische, gestalttherapeutische und neurophysiologische Erklärungsansätze zurück. Einen breiten Raum nimmt die Darstellung der Psychotherapie mit multiplen Menschen ein. Sowohl die ambulante therapeutische Arbeit mit KlientInnen als auch die therapeutische Begleitung im Rahmen des betreuten Wohnens werden vorgestellt. Die Autorinnen gehen auf spezifische Aspekte in der Therapie mit multiplen KlientInnen ein und erläutern u.a. die therapeutische Beziehung, Besonderheiten des therapeutischen Settings, Möglichkeiten der Stabilisierung und Vorgehensweisen in der Bearbeitung von Traumatisierungen. Das letzte Kapitel befaßt sich mit der sogenannten sekundären Traumatisierung von HelferInnen und zeigt Möglichkeiten des Umgangs hiermit auf.



Inhalt

Vorwort von Michaela Huber

I. Einleitung

II. Überlegungen zum Konstrukt "Multiple Persönlichkeit"
Ist die Multiple Persönlichkeit iatrogen bedingt?
Die Multiple Persönlichkeit als Persönlichkeitsstörung
Die Multiple Persönlichkeit als komplexe Posttraumatische Belastungsstörung
Die Multiple Persönlichkeit als Dissoziative Störung

III. Phänomenologie und Diagnostik der Dissoziativen Identitätsstörung
Die Dissoziation
Klassifikation der Dissoziativen Störungen
Die Diagnose Dissoziative Identitätsstörung
Phänomenologie der DIS

IV. Überlegungen zur Ätiologie der DIS
Ätiologie der Posttraumatischen Belastungsstörung
Verlauf der Posttraumatischen Belastungsstörung
Ätiologie der DIS

V. Die DIS aus Sicht der Gestalttherapie und der Integrativen Therapie
Entstehungsbedingungen der DIS aus Sicht der Gestalttherapie und der IT
Aspekte der DIS aus der klinischen Krankheitslehre der IT
Diagnostik und phänomenologische Erfassung der DIS

VI. Die ambulante Psychotherapie mit multiplen KlientInnen
Die Ziele in der Therapie und die innere Haltung der PsychotherapeutIn
Das therapeutische Setting in der ambulanten Psychotherapie
Phasenmodelle des Therapieverlaufs
Einzelne Aspekte und Interventionen in der therapeutischen Arbeit
Die Integrations- und die post-integrative Phase

VII. Therapeutische Begleitung im Rahmen des betreuten Wohnens

VIII. Sekundäre Traumatisierung

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Vorwort

von Michaela Huber

Es ist mir eine Freude, Ihnen mit einigen Sätzen Appetit auf dieses rundum gelungene Sachbuch zu machen.

Sexualisierte Gewalt wird zu 90 Prozent von Männern ausgeübt, die Opfer sind zu 80 bis 90 Prozent Mädchen und Frauen. Das ist die bittere statistische Wahrheit. Multiple Persönlichkeiten haben alles, oder doch fast alles, durchgemacht, was sich Menschen - vergewaltigende Väter, vernachlässigende Mütter und weitere gewalttätige Familienmitglieder, Pornoringe und andere organisierte Kriminelle - an Qualen und Zurichtungen für Kinder ausdenken können, einschließlich der sexuellen Gewalt. Sie hätten unter den Qualen auch sterben oder psychotisch zerfallen können. Doch sie konnten auf eine besondere Fähigkeit zurückgreifen, die bei ihnen stark ausgeprägt ist: Sie können gut dissoziieren, also sich gut "wegbeamen", sich innerlich "leer machen", Unangenehmes und gar Traumatisches so weit in ihr Innerstes "wegdrücken", als wäre es nie geschehen. Der Preis dieses dissoziativen "Wegdrückens" ist bei ihnen eine Aufspaltung der Identität. Gewalt kann eine Persönlichkeit also buchstäblich in Stücke reißen. Eine Zeitlang mag es ihnen danach sogar ganz gut damit gehen, immer nur im "Hier und Jetzt" zu leben. Doch wenn sie professionelle Hilfe benötigen, geht es ihnen meist sehr schlecht: Sie bekommen ihr Leben im wahrsten Sinne des Wortes nicht "auf die Reihe", weil sie immer wieder "vergessen", was vorhin war. Sie können nicht aus ihren Traumatisierungserfahrungen lernen, weil sie diese nicht zugänglich haben - dafür aber bekommen sie zahlreiche Wiedererlebens-"Flashs", haben häufig den Druck, sich selbstverletzen zu müssen, fürchten sich vor sozialen Beziehungen, weil sie immer wieder gesagt bekommen, sie verhielten sich "so komisch, so ganz anders" etc.

Wer Frauen mit dieser schweren Beeinträchtigung angemessene Hilfs- und Unterstützungs- sowie Therapieangebote machen will, muß zum einen erst einmal verstehen, was die dissoziative Identitätsspaltung eigentlich ist und wie eine Frau sich damit fühlt. Zum anderen muß sie erfahren, daß vieles anders ist, als sie es gelernt hat. Die beiden Autorinnen beschreiben zum Beispiel, wie schwierig es sein kann, einer so zersplitterten Persönlichkeit ein heilsames Bindungsangebot zu machen, ihre Stabilisierung zu fördern, den Umgang mit destruktiven Persönlichkeitsanteilen zu erlernen und sich dem abgespaltenen Traumamaterial auf schonende und strukturierte Weise zu nähern. Ihr gestalttherapeutischer Hintergrund wird dabei konstruktiv für die Arbeit nutzbar - und das Buch stellt seinerseits eine Erweiterung des gestalttherapeutischen Ansatzes dar, die auf diese Therapierichtung zurückwirken wird. Wie anders und auch wieder besonders die Arbeit in einer Betreuten Wohngruppe mit dieser Klientel sein muß, wird den LeserInnen ebenfalls anschaulich geschildert.

Apropos anschaulich: Das Buch ist ausgezeichnet verständlich geschrieben, viele kleine Fallvignetten erläutern das Gesagte, tabellenartige Zusammenfassungen und Stichworte tragen ebenfalls zum raschen Erfassen der Gesamtzusammenhänge bei.

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Autoren Information

Imke Deistler, geb. 1967, Studium der Psychologie, Psychologische Psychotherapeutin, Focusing-Begleiterin, Gestalttherapeutin, Ausbildung in EMDR, arbeitet in der Beratungsstelle "Notruf für vergewaltigte Mädchen und Frauen" in Kiel. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Beratung und Therapie von in der Kindheit sexuell mißbrauchten Frauen. Seit 1995 arbeitet sie mit multiplen Frauen.

Angelika Vogler, geb. 1958 in Innsbruck, ist Diplom-Pädagogin, Gestalttherapeutin und Dozentin in der Erwachsenenbildung. Seit 1994 arbeitet sie im sozialpsychiatrischen Bereich. Zwei Jahre war ihr Arbeitsfeld Beratung und Sozialtherapie. Seit 1996 ist sie im Leitungsteam der "Therapeutischen Wohngruppen für traumatisierte Frauen" in Kiel tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte als Gestalttherapeutin und therapeutische Begleiterin sind vor allem Persönlichkeitsstörungen, Dissoziative Identitätsstörung sowie andere Folgen schwerer Traumatisierung.

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Stamm, Beth Hudnall (Hg.)
Sekundäre Traumastörungen
Wie helfende Berufe sich vor traumatischen Auswirkungen ihrer Arbeit schützen können

ISBN: 3-87387-489-X

30,00 EUR

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