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Renz, Monika
Der Mensch - ein Wesen der Sehnsucht
Connected or Disconnected. Texte & Musik für unsere Sehnsucht und Spiritualität. Mit CD

1. Auflage, 2010.10.25
96 Seiten, Kartoniert
Format: 17.0 x 24.0cm
ISBN: 3-87387-764-3
ISBN 13: 978-3-87387-764-1

14,95 EUR
Rückgebunden an den eigenen Wesensgrund oder abgenabelt – to be connected or disconnected –, das ist die Frage. Erfahrung heilen Seins bleibt Gnade. Und doch kann der Mensch mehr oder weniger offen dafür und in Kontakt mit seiner Sehnsucht sein. Ein Angeschlossen-Sein ereignet sich nicht primär rational, sondern emotional, in unseren tiefen Seelenschichten. Es geschieht in einer Sprache, die das innere Kind versteht, und in einer Liebessphäre, in der es glücklich sein kann. Musik ist unsere erste Muttersprache: Schon im Mutterleib war sie da, über Klänge, Rhythmen und selektives Hören. Symbole und bildhafte Geschichten brachten ins Wort, was über die Vernunft unsagbar bleibt. Dieses Buch ist ein Fundus von nonverbalen und verbalen Annäherungen an die eigene Tiefe. In der großen Ordnung drin erfährt der Mensch sich selbst in Ordnung.



Inhalt

Einleitung
Auf der Suche nach dem, was heilt
Der Mensch, ein Wesen der Sehnsucht
Konzept "Liebe und Offen-Sein"
In welcher Sprache können Liebe und Gnade uns erreichen?
Inhalt und Aufbau
Dank

Mein Menschenbild als Arbeitsinstrumentarium - eine Topografie des Unbewussten
Was heilt wann, warum, wie?
Seelenschichten
Urvertrauen ist älter als Urangst
Ich-Werdung
Suche nach Ganz-Werdung
Diagnostische Anwendung
Sonderfall Sterbebegleitung - Davor, Hindurch, Danach

Texte und Musik für unsere Sehnsucht und Spiritualität
Muttersprache Musik
Was ist eine Klangreise?

1. Angeschlossen, Teil eines großen Ganzen
1.1 In einer großen Ordnung drin
1.2 Loslassen in die Allmacht Gottes hinein
1.3 Das Paradies: Wo das "Haben" keine Rolle mehr spielt
1.4 "Gott - ein Engel - hält Wache über Dir"

2. Bekömmliches Drin-Sein im Großen Mütterlichen
2.1 Im Reich der Frau Holle oder: Du bist zärtlich geliebt und umfangen
2.2 Heimat: "Du findest heim"
2.3 Das Bild vom guten Hirten

3. Das innere Kind wird glücklich sein - Friede den Menschen seiner Gnade (Lk 2,14)
3.1 Weihnachten: Inbegriff von Fest - "Es" findet statt
3.2 Das Märchen vom selbstsüchtigen Riesen

4. Mysterium der Wandlung
4.1 Neuwerdung gelingt nicht ohne Berührung mit der Unterwelt
4.2 Wege aus Angst und Verhärtung
4.3 Wege aus verwunschenem Dasein
4.4 Jubilate Deo – verklärte Wunden

5. Die finale Perspektive: Du wirst erkannt sein, dein Hunger wird gestillt sein
5.1 Ein neues Ganzes: Bund, Fülle, Integration
5.2 Sehnsucht nach Endgültigkeit versus Kontingenz
5.3 "Wie viel Liebe hast du gelebt?"
5.4 Berufung: So leben, als wäre der endzeitliche Blick entscheidend

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Leseprobe

Der Mensch, ein Wesen der Sehnsucht

In einem Neujahrsgespräch fordert der emeritierte Professor für deutsche Literatur und Mystikexperte A. Haas eine "Theologie der Sehnsucht" (Haas 2010). In der aufrechterhaltenen Sehnsucht werde das Moment lebenslänglicher Ungewissheit und enttäuschter Erwartung zur kreativen Lebenskraft. D. Hell - Experte im Bereich Depression und Psychiater - fordert mit ähn-licher Zielrichtung eine Psychologie, die offen sei für das Transzendente (Hell 2002).

Beides gilt sowohl für suchende Menschen draußen im Leben als auch in der Begleitung Schwerkranker und auf den Tod zugehender Menschen. Ob mit uns selbst auf dem Weg oder als Begleiter, immer neu stehen wir vor der Aufgabe, Anschluss zu finden an ureigene Sehnsüchte und Ahnungen um Fülle in der Tiefe der eigenen Seele, aus Getrieben- und Gespalten-Sein oder aus einer leben-erstickenden Nüchternheit heimzufinden. Tiefer als alle Sucht und Gier liegt Sehnsucht.

Die Suche kann nicht nur den Weg der Ratio gehen, denn das Ersehnte liegt jenseits des Ichs und seines vernünftigen Denkens. Es verweist ins Spirituelle, womit die Erfahrung mit dem letztlich Heiligen, Transzendenten gemeint ist. Ich definiere Spiritualität andernorts als Erfahrung im Unfassbaren, aber mit fassbarer Wirkung (Renz 2010). Wie aber kommen Menschen dahin? ‚Machen‘ kann man ‚es‘ nicht, gerade nicht, denn Gotteserfahrung bleibt Gnade. Und doch können wir uns an jene Orte hinbewegen und uns in jener Offenheit einfinden, wo alle Erfahrung mit dem nochmals Andern sich - wenn es sein darf - ereignet. Wir können selbst wesentlicher werden und uns unserer inneren Wahrheit und unserem Lebensauftrag mehr und mehr stellen. Wir können unsere Träume beachten. Ein Angeschlossen-Sein stellt sich zwar nicht automatisch ein; Träume kreisen oft um den nächsten Schritt, das nächste Problem, eine Konstellation. Aber wir signalisieren so die Bereitschaft, nach innen zu hören, zu warten. Insgesamt können wir bewusst an dem, was uns im Weg steht - an unseren tiefen Verletzungen und an unserem abgespaltenen Tun - leiden. Unsere Verletzungen und Entfremdungen beginnen zu genesen, indem sie bewusst werden und einem Letzten anheimgegeben werden. Vor, unter und jenseits aller menschlichen Ambivalenz und Verletzung liegt ein nochmals Anderes, Grundgutes - nenne man es Gott oder wie auch immer.

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Autoren Information

Monika Renz, Dr.phil. Dr.theol., Musik- und Psychotherapeutin FSP. Studium der päd. Psychologie, Psychopathologie und Musikethnologie. Promotion in Psychopathologie zur frühen menschlichen Bewusstseinsentwicklung. Seit 1998 Leitung der Psychoonkologie, Arbeit mit Krebskranken und Sterbenden am Kantonsspital St. Gallen. Zweitstudium in Theologie. Promotion in Bibelwissenschaft über Erlösung. Seit 20 Jahren Kurstätigkeit im Grenzbereich Psychologie-Theologie. Internationale Vortragstätigkeit. www.monikarenz.ch

 

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