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Welter-Enderlin, Rosmarie
Deine Liebe ist nicht meine Liebe
Partnerprobleme und Lösungsmodelle aus systemischer Sicht

1. Auflage, 2005.01.14
192 Seiten, Kartoniert
Format: 14.0 x 21.5cm
ISBN: 3-87387-602-7
ISBN 13: 978-3-87387-602-6

19,90 EUR
In diesem Arbeitsbuch führt eine der Pionierinnen des systemischen Konzepts in dessen Denk- und Arbeitsweise ein und zeigt, in welcher Weise es in die praktische Arbeit mit Paaren und Familien Eingang finden kann und muß. Jede Therapie, die außerhalb des größeren soziokulturellen und jeweiligen ideologischen Gesamtsystems zu operieren versucht, ignoriert wesentliche Störungspotentiale, läßt andererseits wichtige Ressourcen ungenutzt und kann dem Paar nicht wirklich und längerfristig hilfreich sein. Die Autorin zeigt, inwiefern Partnerkrisen zunächst immer auch Ausdruck und Bestandteil lebendiger Systeme sind, die sich nie über einen längeren Zeitraum in unveränderlichem Zustand befinden, sondern sich von einer Homöostase (Gleichgewicht) über eine Krisenzeit in die nächste stabile Phase entwickeln. Es wird im Detail dargelegt, wie dieser systemische Ansatz das gesamte therapeutische Denken von Grund auf verändert hat und welche praktischen Konsequenzen sich daraus für die Therapiepraxis ergeben.



Inhalt

Systemische Paartherapie
Verstehen und Handeln in der Begegnung

Spielregeln im therapeutischen System
Bedingungen für Veränderung und Wandel

Die Tücken der Stagnation
und die Chancen von Visionen

Nach der Krise
Chancen neuer Lebensentwürfe

Die vielen Lebens- und Sinnwelten
Systemtherapeutische Möglichkeiten im Wertewandel

Dominanz und Gewalt in Paarbeziehungen
Gesellschaftliche Vernetzung des Rollenverhaltens

Probleme mit Intimität und Sexualität
Zugangswege systemischer Therapie

Familiengeheimnisse und Tabus
Unerkannte Störungspotentiale und Therapiemöglichkeiten

Romantische Liebe oder Partnerschaft!
Wie gesellschaftliche Übergangskrisen das Liebesleben des einzelnen Paares mitgestalten

Tragödie oder Chance?
Systemische Betrachtung von Trennung und Scheidung

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Leseprobe

Die Melodien des Paartanzes mit eigenen Ohren hören

Eine Perspektive von innen, das heißt das Interesse für die individuellen, biographie- und geschlechtsabhängigen sowie die gemeinsamen Geschichte(n) eines Paares wird bei meinem Therapiemodell mit einer Perspektive von außen verbunden. Letztere bezieht sich auf die Frage, wie diese einmalige Frau und dieser einmalige Mann im Rahmen des allgemeinen gesellschaftlichen Wandels ihre Vorstellungen in alltägliches Handeln übersetzen und sich damit wechselseitig beeinflussen. Dabei zeigen zahlreiche Studien, u. a. auch meine eigene (Welter-Enderlin 1992), wie sehr bei den meisten Paaren unter den neuen Visionen von Gleichwertigkeit der Geschlechter noch die hergebrachten Normen einer "Gender-Hierarchie" stecken. Zwar sind diese Hierarchien den Partnern häufig verborgen, und ihre asymmetrischen Beziehungsverhältnisse werden dadurch aufrechterhalten, daß der materiell abhängige Partner - häufiger die Frau - sich dem materiell unabhängigeren anpaßt und dadurch der Anlaß zum Verhandeln neuer Möglichkeiten erst auf dem Höhepunkt einer Krise entsteht.

Die eheliche Zufriedenheit ist, wie meine Studie belegt, wohl aufgrund dieser Asymmetrie bei den meisten Männern höher als bei ihren Frauen. Zu ähnlichen Ergebnissen kam Bernard (1972) in einer viel größeren Studie, in der sie "seine" und "ihre" Ehe beschrieb. Vor allem nach der Geburt eines oder mehrerer Kinder zerfallen Frauen- und Männerwelt in ein Innen und Außen, wobei typischerweise die Frau zuständig ist für die schlecht belohnte Familienarbeit und der Mann für die statushöhere Erwerbsarbeit, selbst wenn die Frau teilzeitlich berufstätig bleibt. Zu welchen "Melodien" und auf welche Art Frau und Mann ihren täglichen "Tanz" zwischen den Polen von Bindung und Autonomie, Anpassung und Dominanz, Macht und Ohnmacht tanzen, ist also nicht nur abhängig von ihrer persönlichen Geschichte, sondern von ihrer geschlechtlichen Sozialisation und der gesellschaftlich erwarteten Rollenverteilung.

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Autoren Information

Rosmarie Welter-Enderlin (1935-2010), Studium der Psychologie an der University of Michigan, Master of Social Sciences/Social Work, Paar- und Familientherapeutin, Gründerin des Ausbildungsinstitutes für Systemische Therapie in Meilen/Zürich.

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