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Leu, Lucy
Gewaltfreie Kommunikation: Das 13-Wochen-Übungsprogramm
Ein praktischer Leitfaden für Übungsgruppen und GFK-Kurse
Originaltitel: Nonviolent Communication Companion Workbook

2. Auflage, 2009.04.08
224 Seiten, Kartoniert
Format: 17.0 x 24.0cm
ISBN: 3-87387-577-2
ISBN 13: 978-3-87387-577-7

19,50 EUR
Dieses Übungsbuch bietet Unterrichtsmaterial für einen 13-wöchigen Lehrgang in Gewaltfreier Kommunikation. Es orientiert sich an Marshall B. Rosenbergs Grundlagenwerk "Gewaltfreie Kommunikation". Gewaltfreie Kommunikation (GFK) zu erlernen ist der Erfahrung vergleichbar, wenn wir eine Fremdsprache lernen wollen. Wir müssen zunächst gewisse Grundkonzepte begreifen - sozusagen die Grammatik erlernen. Erst dann können wir anfangen, auf dieser soliden Grundlage mit der Sprache umzugehen. Glücklicherweise kann Gewaltfreie Kommunikation, im Unterschied zu einer Fremdsprache, an jedem Ort und mit jeder Person angewendet werden. Wir brauchen kein Gegenüber, das GFK beherrscht: Wir können üben, wenn wir einen Scheck auf der Bank einlösen, wenn wieder mal ein Telefonwerber uns beim Mittagessen stört, wenn wir Wahlkampfreden am Fernsehschirm verfolgen, wenn ein Polizist unser Auto anhält ... Wir können mit unseren Eltern und Kindern üben, mit Mitarbeitern, Vorgesetzten, Freunden, Geliebten, Fremden, sogar mit unseren Feinden und, was vielleicht am wichtigsten ist, mit uns selbst.



Inhalt

GFK in der Übungsgruppe
Aufbau einer Übungsgruppe
Rückbesinnung auf unsere Ziele und Umgang mit der Zeit
Anleiten einer Übungsgruppe
"Was wir an der Leiterin einer Übungsgruppe schätzen"
Regeln festlegen
Zum Feedback auffordern
Konflikte in der Übungsgruppe
Mit offenen Armen auf Konflikte zugehen: Gedächtnisstützen
Formen der Zusammenarbeit in der Übungsgruppe
Vorschläge für die Strukturierung eines "Empathie-Gesprächs"
Ein Rollenspiel strukturieren

Übungen - Aufgaben, Hinweise zur Anleitung von Übungsgruppen und Antwortbeispiele zu Übungen
Übungen zum Kapitel Von Herzen geben
Übungen zum Kapitel Wie Kommunikation das Einfühlungsvermögen blockiert
Übungen zum Kapitel Beobachten, ohne zu bewerten
Übungen zum Kapitel Gefühle wahrnehmen und ausdrücken
Übungen zum Kapitel Verantwortung für unsere Gefühle übernehmen
Übungen zum Kapitel Um das bitten, was unser Leben bereichert
Übungen zum Kapitel Empathisch aufnehmen
Übungen zum Kapitel Die Macht der Empathie
Übungen zum Kapitel Einen einfühlsamen Kontakt mit uns selbst aufbauen
Übungen zum Kapitel Ärger vollständig ausdrücken
Übungen zum Kapitel Die beschützende Anwendung von Macht
Übungen zum Kapitel Uns selbst befreien und andere unterstützen
Übungen zum Kapitel Wertschätzung und Anerkennung ausdrücken in Gewaltfreier Kommunikation

Anhang
Vorschläge für weiterführende GFK-Übungen
Listen der Gefühle
Liste universeller Bedürfnisse
STOP! Sabotiert werden durch Ärger!
Individuelles-Rückmeldungsformular
Übungsgruppen-Rückmeldungsformular
Der GFK-Prozess - Ablaufdiagramm

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Vorwort

Dieses Übungsbuch ist so angelegt, dass es in Verbindung mit der überarbeiteten und erweiterten Neuauflage von Marshall B. Rosenbergs Buch "Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens" benutzt werden kann. Es beinhaltet einen Lehrgang zur Gewaltfreien Kommunikation (GFK), der sich über dreizehn Wochen erstreckt. Es wäre sinnvoll, sich zunächst mit Marshall Rosenbergs Buch vertraut zu machen und dann mit der Bearbeitung dieses Lehrgangs zu beginnen.

Eine Anmerkung zu Giraffen und Wölfen

In vielen Ländern ist Gewaltfreie Kommunikation unter dem Begriff "Giraffensprache" allgemein bekannt geworden. Marshall wählte die Giraffe, das Landtier mit dem größten Herzen, als Symbol für die Gewaltfreie Kommunikation. Bei der GFK handelt es sich um eine "Sprache", die Mitgefühl und freudvolle Beziehungen in sämtlichen Bereichen des Lebens fördert. Ihre Größe ermöglicht der Giraffe einen weitreichenden Blick in die Ferne. Sie verfügt damit gleichsam über ein vergrößertes Bewusstsein für Ereignisse, die auf sie zukommen. Vergleichbar bietet uns GFK die Chance, Konsequenzen aus unseren Gedanken, Worten und Taten vorherzusehen. Als eine "Sprache", die das Ausdrücken von Gefühlen und Bedürfnissen hervorhebt, läd uns die GFK ein, unsere Verletzlichkeit zu zeigen und diese in Stärke umzuwandeln. Der lange Hals der Giraffe und die damit verbundene Unbeweglichkeit erinnern an die große Bedeutung der "Verletzlichkeit".

In einigen Ländern verwendet Marshall eine Wolf-Handpuppe, um den Teil in uns zu repräsentieren, der in einer Art und Weise denkt, redet oder handelt, der uns sowohl vom Bewusstsein über unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse als auch über diejenigen von anderen trennt und entfremdet. Das Wort "Giraffe" wird gelegentlich als Synonym für GFK verwendet. Ebenso kann es sich auf Menschen beziehen, die GFK praktizieren. Um den Zusammenhang von "Giraffe" und "Wolf" zu verdeutlichen, kann man sich den Wolf als eine Giraffe vorstellen, die Schwierigkeiten hat, sich verständlich auszudrücken. Diese "Wolfssprache" macht es für Menschen, die sich darin ausdrücken, sehr schwierig, die Qualität von Verbindung mit anderen Menschen zu erreichen, die sie sich wünschen. Ihr Leben wird dadurch viel weniger "wunderbar", als es sein könnte. GFK zu praktizieren heißt auch, dass wir unseren inneren Wolf erkennen, ihn in unser Bewusstsein einlassen und uns mit ihm anfreunden. Wir erlauben ihm, uns zu unseren Gefühlen und Bedürfnissen zu führen.

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Leseprobe

Vorschläge für die Strukturierung eines "Empathie-Gesprächs"

Ein "Empathie-Gespräch" ermöglicht einem Übungsgruppen-Teilnehmer, hier und jetzt aufrichtige Einfühlung für eine schwerwiegende Lebenssituation zu erhalten. Dabei sind für die anderen Übungsgruppenmitglieder klare Rollen innerhalb einer strukturierten GFK-Übung vorgesehen. Überdenke die nachfolgenden Vorschläge, um daraus deine eigenen Strukturen und Leitlinien zu entwickeln. Vielleicht stellst du fest, dass deine Übungsgruppe über Monate oder Jahre herangereift ist und früher eingeführte, vielleicht strengere Leitlinien den Weg zu einem immer spontaneren Gesprächsfluss geebnet haben.

Bevor ihr beginnt, erwäge, die Übungsgruppe einen Augenblick innehalten zu lassen, um euch wieder mit dem "Herzen" zu verbinden: Werdet ruhiger und macht euch den gegenwärtigen Moment bewusst. Eine Möglichkeit dazu ist, zu unterbrechen, zu atmen und bewusst über die Energie, um die es geht, nachzudenken. Eine von einem Teilnehmer angeleitete Visualisierung innerer Bilder, ein Lied oder ein Moment der Stille können uns an unsere Absicht erinnern, dass wir in Verbindung bleiben mit Empathie, Mitgefühl, Klarheit oder Bitten, die den Respekt für alle Betroffenen, uns selbst eingeschlossen, bezeugen. Das kann helfen, die nötige Atmosphäre zu schaffen und uns mit der "Energie des Herzens" zu verbinden, während wir unser Augenmerk auf das richten, "was zu tun ist".

1. Lege die Länge des "Empathie-Gesprächs" fest. Ihr könntet z.B. 15 Minuten für die Einfühlung ansetzen, und noch fünf Minuten für eine abschließende Besprechung vorsehen.

2. Entscheide, wie viele dieser "Empathie-Gespräche" beim heutigen Treffen stattfinden können. Möglicherweise gibt es mehr interessierte Teilnehmerinnen, als euch Zeit zur Verfügung steht. Dann solltet ihr entscheiden, wann ihr weitere "Empathie-Gespräche" abhalten werdet, so dass jede Gelegenheit erhält, Einfühlung zu erhalten.

3. Entscheide, wer der Sprecher sein soll. Sehr oft melden sich Teilnehmer, die im Zusammenhang mit einer schmerzhaften Situation einen starken inneren Druck empfinden als Freiwillige. Oder es kann auch jemand sein, der bisher noch keine Gelegenheit hatte zu sprechen.

4. Die Sprecherin wird aufgefordert, über eine Situation zu sprechen, in die keine der anwesenden Personen einbezogen ist und die auch nicht erwarten lässt, dass dadurch bei jemand Anwesendem Schmerz ausgelöst wird.

5. Versichert dem Sprecher, dass er die ganze zur Verfügung stehende Zeit erhält. Wenn eine Zuhörerin unterbricht, geschieht das nicht in der Absicht, dem Sprechenden das Wort zu entziehen, sondern seine Worte zu spiegeln und sicherzustellen, dass seine Worte zutreffend aufgenommen worden sind.

6. Die Sprecherin wird angehalten, öfter einmal zu unterbrechen und den Zuhörern Gelegenheit zu geben, das Gehörte zu wiederholen. Marshall Rosenberg schlägt hier maximal 40 Worte vor! Die meisten von uns, insbesondere wenn sie unter großem Schmerz leiden, sprechen dagegen weit mehr als diese 40 Worte aus. Wenn wir den Wunsch haben, dass die Zuhörer unsere Worte auch in vollem Umfang aufnehmen können, ist es nützlich, uns daran zu erinnern, dass wir unsere Worte in kleinen Portionen anbieten.

7. Die Redenden möchten vielleicht auswählen, ob sie lieber GFK praktizieren oder sich in ihrer gewohnten Art ausdrücken wollen, wobei sie die Übersetzungsarbeit den Zuhörerinnen anvertrauen. Das vorrangige Ziel eines "Empathie-Gesprächs" ist es, Gelegenheit zu geben, uns in das tiefgründige Hören und das verbale Ausdrücken von Einfühlung einzuüben. Für diese Übung sollten wir die Sprecher nicht entmutigen, indem wir verlangen, dass sie - auch wenn es ihnen schwer fällt -, "GFK sprechen müssen". Die Rolle der Zuhörerinnen in dieser Situation ist, zuzuhören und nicht den Sprecher zu coachen oder anzuleiten, sich in GFK auszudrücken.

8. Entscheidet darüber, wer die Einhaltung der Zeit im Auge behält (Zeitnehmerin).

9. Entscheidet, ob ihr eine Person als aktiven Zuhörer einsetzt, der die Worte spiegelt, oder ob die ganze Übungsgruppe teilnehmen soll und jeder der Reihe nach der Sprecherin gegenüber Empathie ausdrückt. Auf die ganze Übungsgruppe zu vertrauen bedeutet, dass jeder Teilnehmer gleichermaßen aktiv Anteil nimmt. Dies kann der Sprecherin eine breitere Basis bieten, verstanden zu werden. Andererseits empfindet es die Sprecherin vielleicht als verwirrend, weil es manchmal schwierig ist, ein flüssiges Gespräch aufrechtzuerhalten, wenn verschiedene Personen nacheinander das Wort ergreifen, um Einfühlung zu geben. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, dass ein "Hauptzuhörer" gewählt wird. Dieser hat die Wahl - jedes Mal wenn die Sprecherin Pause macht - entweder selbst Empathie zu geben oder diese Aufgabe an die Übungsgruppe zu delegieren. Durch die Benennung dieses "Hauptzuhörers" erhält der ganze Prozess ein wenig mehr Führung. Häufig gelingt es dadurch, das Gespräch etwas flüssiger zu gestalten, so dass weitere Teilnehmer problemlos aktiv in das Gespräch einbezogen werden können.

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Autoren Information

Lucy Leu wuchs in Taiwan auf und interessierte sich schon früh für Sprachen und die Überbrückung kultureller Unterschiede. Seit 1986 beschäftigt sie sich mit Mediation und Friedenspädagogik. Nach einer persönlichen Begegnung mit Marshall B. Rosenberg wurde sie Trainerin für das Center for Nonviolent Communication. Derzeit arbeitet sie mit ehemaligen Strafgefangenen.

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Rosenberg, Marshall B.
Gewaltfreie Kommunikation
Eine Sprache des Lebens

ISBN: 3-87387-454-7

19,95 EUR
Holler, Ingrid
Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation.
Abwechslungsreiche Übungen für Selbststudium und Seminare

ISBN: 3-87387-538-1

19,95 EUR

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